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Pleuramesotheliom - Epidemiologie

Das maligne Pleuramesotheliom gehört zu den aggressivsten soliden Tumoren und hat in den letzten Jahrzehnten erheblich an Häufigkeit zugenommen. Eine weitere Zunahme wird bis etwa zum Jahr 2020 vorausgesagt. Der ursächliche Zusammenhang zwischen Asbest und dem Pleuramesotheliom ist erwiesen.

Asbest
Unter der Handelsbezeichnung Asbest werden 6 faserige Varietäten von Silikatmineralien zusammengefaßt. Es sind dies der Serpentin-Asbest (Chrysotil = Weißasbest) und die Amphibolasbeste Aktinolit,Tremolit, Amosit (Braunasbest), Krokydolith (Blauasbest) sowie Antophyllit. Als Fasern gelten Partikel mit einer Länge > 5 µm, einem Durchmesser < 3 µm und einem Länge-Durchmesser-Verhältnis > 3:1. Asbestfasern zeichnen sich insbesondere durch Temperaturbeständigkeit, Reißfestigkeit und Biegsamkeit aus. Wichtigster Vertreter der Serpentinasbeste, (bautechn. Bezeichnung: Weissasbest auch Kanadaasbest) ist der Chrysotil-Asbest. Chrysotil-Asbest macht ca. 94 % der Weltasbestproduktion aus.

Er wurde vorwiegend in Bauplatten ab 20 mm Dicke im Hoch- und Tiefbau eingesetzt. Die Faserlänge ist 0,2–200 µm, der Faserdurchmesser der Fibrille 18–30 nm. Das mineralische faserartige Material wurde in der Vergangenheit universell eingesetzt (Wärmeisolation in Kraftwerken, im Schiffsbau, Brandschutz in öffentlichen Gebäuden und Hochhäusern, Isolation in Elektrogeräten, z.B. Fön, Toaster, Heizungen, Asbestzement).

Eingeatmete Asbestfasern, die länger als 15 µm (Durchmesser eines Alveolarmakrophagen) sind, können nicht vom Organismus eliminiert werden und akkumulieren subpleural. Die Makrophagen setzen Mediatorstoffe frei und stimulieren Fibroblasten, so daß sich eine interstitielle Fibrose ausbildet. Asbest hat eine direkte karzinogene Wirkung. Die Latenzzeit von der Exposition bis zur Tumormanifestation beträgt ungefähr 10–20 Jahre. Der Asbestkontakt ist in der Regel beruflich bedingt. Man rechnet mit sechs bis elf Fällen pro 100 Exponierten, bei der Normalbevölkerung mit einem bis acht Fällen, nach einer anderen Quelle bei 15 Fällen pro 1 Million Einwohner pro Jahr. Männer sind aus diesen Gründen deutlich häufiger betroffen, aber auch Frauen erkranken am Pleuramesotheliom, da sie durch Umgang mit der Arbeitskleidung des Mannes Asbestfasern inhalieren können. Somit ist z.B. auch ein Pleuramesotheliom der Frau bei berufsbedingter Exposition des Mannes als berufsbedingte Erkrankung anerkannt.

Regelmäßiges Rauchen stellt bei asbestexponierten Personen einen überadditiven Faktor dar am Pleuramesotheliom zu erkranken.

Es gibt einige Studien die einen ursächlichen Zusammenhang von Thorotrastapplikation (kolloidales Thoriumdioxid, ein früher gebräuchliches Kontrastmittel) und Pleuramesotheliomen beschreiben. Ebenso gibt es einige Studien die einen kausalen Zusammenhang von einer Infektion mit dem Simianvirus 40 und der Entstehung von Pleuramesotheliomen beschreiben. Es hat in den Jahren 1955-1961 Polioimpfstoffchargen gegeben die mit diesem Virus kontaminiert waren. Dieser Zusammenhang ist noch nicht vollständig verstanden und noch Gegenstand aktueller Forschungsprojekte.